Publiziert am 03/03/2026
Hallo Sam, kannst du dich bitte kurz vorstellen?
Natürlich, mein Name ist Samuel Gall, ich bin 48 Jahre alt, Vater von fünf Kindern und arbeite derzeit als technischer Direktor bei Lhyfe.
Wie verlief deine Laufbahn bei Lhyfe und was sind heute deine Aufgaben?
Als Technischer Direktor habe ich zur Entwicklung aller Anlagenprojekte in Frankreich und Europa beigetragen – von der Konzeptionsphase bis zur Inbetriebnahme.
Über die technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen hinaus war Sicherheit schon immer ein grundlegender Pfeiler bei der Entwicklung unserer Projekte. Bereits in den ersten Studienphasen berücksichtigen wir systematisch Risikoanalysen, lokale gesetzliche Anforderungen sowie internationale Standards für Wasserstoff. Sicherheit ist kein zusätzlicher Schritt in unseren Projekten, sondern bildet deren strukturelle Grundlage.
An welchen Wasserstoff-Produktionsstandorten hast du bei Lhyfe gearbeitet?
Ich habe an allen derzeit in Betrieb befindlichen Produktionsstandorten von Lhyfe gearbeitet – von der Konzeptionsphase bis hin zur Inbetriebnahme. Als Mitglied des Planungsbüros umfasst mein Aufgabenbereich die Anlagenplanung, das technische Design, die Dokumentationsreife sowie die Begleitung der Bau-, Installations- und Inbetriebnahmephasen.
Der erste Standort in Bouin wurde mit einem kleinen Team entwickelt, was eine hohe Vielseitigkeit erforderte. Anschließend war ich an den ersten Industrieprojekten in Frankreich beteiligt, insbesondere in Buleon und Bessieres, sowie am Standort Schwäbisch Gmünd, der sich derzeit weiter im kommerziellen und industriellen Hochlauf befindet. Außerdem habe ich an den französischen Projekten in Le Cheylas und Croixrault gearbeitet, die die Final Investment Decision (FID) erreicht haben und sich heute in der Bauphase befinden.
An jedem dieser Standorte stand die industrielle Sicherheit im Mittelpunkt der Konstruktionsentscheidungen: Vorschriften für die Aufstellung von Anlagen, ATEX-Zoneneinteilung, Wasserstoffdetektionssysteme, Belüftung, Notabschaltvorrichtungen und kritische Redundanzen.
Sind die Wasserstoff-Produktionsstandorte bei Lhyfe alle identisch?
Nein, die Wasserstoffproduktionsanlagen von Lhyfe sind nicht alle identisch. Über die installierte Kapazität hinaus wird jedes Projekt unter Berücksichtigung der verfügbaren Technologien, der Standortbedingungen und der industriellen Ziele konzipiert. Lhyfe verfügt über fundiertes Know-how bei der Auswahl und Integration von Anlagen, insbesondere von Elektrolyseuren und Kompressoren, und ist mit den Besonderheiten der verschiedenen Hersteller und Technologien auf dem Markt bestens vertraut.
Die Wahl der Technologie hängt daher nicht nur von der Leistung des Standorts ab, sondern auch von Kriterien wie Robustheit, industrieller Reife, Kompaktheit und einfacher Implementierung sowie vom Profil des Wasserstoffbedarfs des Kunden. Der Standort Bouin basiert beispielsweise auf einer Technologie der atmosphärischen alkalischen Elektrolyse, die für ihre Zuverlässigkeit und ihre industrielle Erfolgsgeschichte bekannt ist.
Für die Standorte der nächsten Generation – Buleon, Bessieres und Schwäbisch Gmünd – hat Lhyfe eine PEM-Technologie (Proton Exchange Membrane) gewählt, die kompakter ist und mit containerisierten Elektrolyseuren kompatibel ist. Dieser Ansatz vereinfacht den Tiefbau erheblich, senkt die Gebäudekosten und beschleunigt Bau- und Installationsphasen.
Jeder Standort verfügt somit über ein optimiertes Design, das industrielle Leistung, Kostenkontrolle und betriebliche Effizienz kombiniert und zugleich einer schrittweisen Industrialisierung der grünen Wasserstoffproduktion folgt.
Wie steuert Lhyfe seine Anlagen und gewährleistet einen sicheren Betrieb?
Lhyfe steuert seine Wasserstoffproduktionsanlagen aus der Ferne mithilfe fortschrittlicher Automatisierungssysteme. Jeder Standort ist mit einem industriellen Leitsystem ausgestattet, das eine Echtzeitüberwachung kritischer Parameter ermöglicht: Druck, Temperatur, Wasserstoffreinheit, Stromverbrauch, Anlagenzustände und Sicherheitssysteme.
Die Fernsteuerung ersetzt nicht die menschliche Präsenz, sondern ergänzt sie: Sie ermöglicht den Betriebsteams ein gezieltes, informiertes und vorausschauendes Eingreifen. Dieser Ansatz erhöht die Anlagenverfügbarkeit, optimiert die vorbeugende Wartung und stärkt das allgemeine Sicherheitsniveau der Standorte erheblich.
Wie nutzt Lhyfe ihr technisches Know-how innerhalb der internationalen Teams?
Die systematische Nutzung von Erfahrung und technischem Know-how auf internationaler Ebene ist für Lhyfe ein strategisch wichtiges Ziel. Bereits bei den ersten Entwicklungen außerhalb Frankreichs, insbesondere in Deutschland, war es notwendig, Teams mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Arbeitspraktiken aufeinander abzustimmen, obwohl das Planungsbüro historisch in Frankreich ansässig ist.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, haben wir standardisierte interne technische Prozesse eingeführt, die genau definieren, wie ein Wasserstoffprojekt bei Lhyfe entwickelt wird. Ziel ist es, eine einheitliche Vorgehensweise sicherzustellen – unabhängig vom Land, Team oder Projektleiter – und den Unsicherheitsfaktor in den technischen Studien so weit wie möglich zu reduzieren.
Diese gemeinsamen Methoden gewährleisten die Zuverlässigkeit der Ergebnisse, die Konsistenz technischer Annahmen und die Vergleichbarkeit der Projekte, unabhängig von ihrem geografischen Standort. Gleichzeitig sind sie flexibel genug, um sich an die jeweiligen regulatorischen Anforderungen und Sicherheitsstandards anzupassen, die von Land zu Land erheblich variieren können.
Dank dieser strukturierten Prozesse können die internationalen Teams auf die in Frankreich entwickelte Expertise zurückgreifen und gleichzeitig grüne Wasserstoffprojekte effizient auf europäischer Ebene umsetzen.